Die Schieflage 8 Min. Lesezeit

Vertrieb in der Krise: Neue Aufträge trotz schwieriger Lage

Wie Sie Ihren Vertrieb in der Krise neu aufstellen, bestehende Kunden reaktivieren und mit gezielten Quick-Wins neue Aufträge gewinnen – praktische Strategien für den Mittelstand.

Vertrieb als Schlüssel zur Krisenbewältigung

Wenn Unternehmen in die Krise geraten, liegt der Fokus häufig auf Kostensenkung, Liquiditätssicherung und Restrukturierung. Das ist nachvollziehbar – aber gefährlich einseitig. Denn ohne neue Aufträge und stabile Umsätze lässt sich keine Krise nachhaltig bewältigen. Der Vertrieb ist in schwierigen Phasen nicht weniger wichtig als in guten Zeiten – er ist wichtiger.

Viele Unternehmer machen in der Krise den Fehler, den Vertrieb herunterzufahren. Budgets werden gekürzt, Außendienstmitarbeiter abgebaut, Marketingmaßnahmen gestoppt. Die Logik dahinter ist verständlich: Geld sparen, wo es geht. Doch diese Sparmaßnahmen kosten langfristig mehr, als sie kurzfristig einbringen. Wer in der Krise aufhört zu verkaufen, verliert nicht nur aktuelle Umsätze, sondern auch die Pipeline für die Zukunft.

Dieser Artikel zeigt Ihnen konkrete Strategien, wie Sie Ihren Vertrieb in der Krise nicht nur aufrechterhalten, sondern gezielt stärken können – auch mit begrenzten Ressourcen.

Die Ausgangslage ehrlich analysieren

Bestandsaufnahme des Vertriebsprozesses

Bevor Sie in hektische Aktivität verfallen, brauchen Sie ein klares Bild Ihrer aktuellen Vertriebssituation. Welche Kunden generieren den meisten Umsatz? Welche Produkte oder Dienstleistungen haben die höchsten Margen? Wo stehen offene Angebote, die mit etwas Nachdruck zum Abschluss gebracht werden könnten?

Diese Analyse ist eng verbunden mit einer systematischen Betrachtung der Ursachen Ihres Umsatzrückgangs. Nur wenn Sie verstehen, warum Umsätze wegbrechen, können Sie den Vertrieb gezielt gegensteuern lassen.

Kundensegmentierung in der Krise

Nicht jeder Kunde ist in der Krise gleich wichtig. Teilen Sie Ihre Kunden konsequent in drei Kategorien ein: Erstens Kunden, die auch in der Krise stabil kaufen und Ihr wirtschaftliches Rückgrat bilden. Zweitens Kunden mit Potenzial, die derzeit weniger bestellen, aber reaktiviert werden können. Drittens Kunden, die mehr kosten als sie einbringen und deren Betreuung Sie Ressourcen entzieht.

Diese Segmentierung erfordert Mut – denn sie bedeutet auch, sich bewusst von unprofitablen Kundenbeziehungen zu verabschieden, um Kapazitäten für die wichtigen Kunden freizumachen.

Bestehende Kunden reaktivieren

Das größte Potenzial liegt im Bestand

Die kostengünstigste und schnellste Quelle für neue Aufträge sind Ihre bestehenden Kunden. Sie kennen Ihr Unternehmen, vertrauen Ihnen bereits und haben kürzere Entscheidungswege. In vielen Unternehmen schlummern erhebliche Umsatzpotenziale bei Bestandskunden, die nicht systematisch ausgeschöpft werden.

Gehen Sie Ihre Kundenliste systematisch durch und identifizieren Sie Kunden, die in den letzten zwölf Monaten weniger bestellt haben als im Vorjahr, Kunden, die nur einen Teil Ihres Leistungsspektrums nutzen, sowie ehemalige Kunden, die aus nicht-qualitativen Gründen abgewandert sind.

Die richtige Ansprache für die Reaktivierung

Der Schlüssel zur erfolgreichen Kundenreaktivierung liegt in der Wertorientierung. Rufen Sie nicht an, um zu verkaufen – rufen Sie an, um zu helfen. Fragen Sie, wie es dem Kunden geht, welche Herausforderungen er aktuell hat und wo Sie unterstützen können. In Krisenzeiten haben viele Kunden selbst Probleme und schätzen Partner, die lösungsorientiert denken.

Bereiten Sie für jedes Gespräch konkrete Angebote vor, die einen echten Mehrwert bieten: Sonderkonditionen für Bestandskunden, Paketangebote, die verschiedene Leistungen bündeln, oder Testphasen für neue Services. Wer Kundenvertrauen in der Krise zurückgewinnen will, muss aktiv auf seine Kunden zugehen.

Quick-Win-Strategien für schnelle Ergebnisse

Niedrig hängende Früchte identifizieren

In jeder Vertriebspipeline gibt es Gelegenheiten, die mit relativ geringem Aufwand zum Abschluss gebracht werden können. Analysieren Sie Ihre offenen Angebote und priorisieren Sie nach Abschlusswahrscheinlichkeit und Umsatzvolumen.

Typische Quick-Wins sind offene Angebote, bei denen der Entscheidungsprozess beim Kunden ins Stocken geraten ist, Folgeprojekte bei zufriedenen Bestandskunden, Cross-Selling-Möglichkeiten bei Kunden, die bereits eine Leistung von Ihnen beziehen, sowie kurzfristige Zusatzleistungen, die Sie ohne große Vorinvestition erbringen können.

Preisgestaltung als Vertriebshebel

In der Krise stehen viele Unternehmer vor der Frage: Soll ich die Preise senken, um Aufträge zu gewinnen? Die Antwort ist differenziert. Pauschale Preissenkungen sind fast immer der falsche Weg, denn sie reduzieren Ihre Marge und signalisieren dem Markt Schwäche. Stattdessen sollten Sie mit intelligenten Preismodellen arbeiten.

Staffelpreise belohnen größere Auftragsvolumina. Langfristverträge mit Preisvorteil sichern Ihnen planbare Umsätze. Leistungspakete, die für den Kunden günstiger sind als Einzelbuchungen, erhöhen Ihren Umsatz pro Kunde. Wichtig ist, dass Sie Ihre Gewinnschwelle genau kennen, um nicht unter Ihren Kosten zu verkaufen.

Vertriebskanäle gezielt erweitern

Digitale Kanäle nutzen

Wenn das Budget für klassischen Außendienst knapp ist, bieten digitale Kanäle eine kosteneffiziente Alternative. LinkedIn ist für B2B-Unternehmen eine der effektivsten Plattformen zur Leadgenerierung. Regelmäßige Fachbeiträge positionieren Sie als Experten, gezielte Vernetzung mit Entscheidern öffnet Türen, und persönliche Nachrichten mit konkretem Mehrwert generieren Termine.

Auch ein professioneller Online-Auftritt zahlt sich aus. Aktualisieren Sie Ihre Website mit relevanten Fallstudien und Referenzen. Zeigen Sie, dass Ihr Unternehmen trotz – oder gerade wegen – der Krise handlungsfähig und kompetent ist.

Partnerschaften und Empfehlungen aktivieren

In der Krise gewinnen Empfehlungen an Bedeutung, weil potenzielle Kunden risikoscheuer werden und sich stärker an vertrauenswürdigen Quellen orientieren. Bauen Sie ein systematisches Empfehlungsprogramm auf. Bitten Sie zufriedene Kunden aktiv um Empfehlungen und Referenzen. Suchen Sie Kooperationspartner, die komplementäre Leistungen anbieten und mit denen Sie gemeinsam auftreten können.

Neue Märkte und Zielgruppen erschließen

Prüfen Sie, ob Ihre Leistungen auch in anderen Branchen oder Marktsegmenten gefragt sein könnten. Oft ergibt sich in der Krise die Chance, durch eine Anpassung des Geschäftsmodells neue Zielgruppen zu erreichen. Unternehmen, die in der Krise ihre Angebotspalette intelligent erweitern, gehen oft gestärkt aus der Krise hervor.

Das Vertriebsteam in der Krise führen

Motivation trotz schwieriger Rahmenbedingungen

Ihr Vertriebsteam steht in der Krise unter doppeltem Druck: Die Kunden sind zurückhaltender, gleichzeitig ist der Druck auf die eigenen Zahlen höher. In dieser Situation brauchen Ihre Verkäufer vor allem drei Dinge: Klarheit über die Strategie, die richtigen Werkzeuge und ehrliche Führung.

Kommunizieren Sie offen, wo das Unternehmen steht und welchen Beitrag der Vertrieb zur Krisenbewältigung leisten kann. Vermitteln Sie Ihrem Team, dass ihre Arbeit gerade jetzt den Unterschied macht. Führung in der Krise bedeutet, präsent zu sein, zuzuhören und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten.

Vertriebsprozesse verschlanken

In der Krise haben Sie keine Zeit für ineffiziente Prozesse. Prüfen Sie Ihren gesamten Vertriebsprozess auf Engpässe und unnötige Schritte. Wo dauern interne Freigaben zu lange? Wo gehen Leads verloren, weil die Nachfassung nicht funktioniert? Wo verbringen Verkäufer Zeit mit administrativen Aufgaben statt mit Kundenkontakt?

Optimieren Sie Ihr CRM-System, standardisieren Sie Angebotsvorlagen und automatisieren Sie Routineaufgaben. Jede Stunde, die Ihr Vertriebsteam zusätzlich beim Kunden verbringt, ist eine Investition in die Zukunft Ihres Unternehmens.

Vergütungsmodelle anpassen

Überprüfen Sie, ob Ihre Vergütungsmodelle im Vertrieb die richtigen Anreize setzen. In der Krise kann es sinnvoll sein, die variable Vergütung stärker auf kurzfristige Ziele auszurichten: Neukundengewinnung, Reaktivierung von Bestandskunden oder schnelle Angebotsabschlüsse. Gleichzeitig sollten Sie vermeiden, durch zu aggressive Provisions-modelle die Qualität der Kundenbeziehungen zu gefährden.

Vertrieb und Liquidität verbinden

Aufträge und Zahlungsfähigkeit im Blick behalten

Neue Aufträge helfen nur, wenn sie auch bezahlt werden. In der Krise müssen Sie besonders darauf achten, dass Ihr Vertrieb nicht nur Umsatz generiert, sondern auch zur Stabilisierung des Cashflows beiträgt. Das bedeutet konkret: Prüfen Sie die Bonität neuer Kunden sorgfältiger. Vereinbaren Sie Anzahlungen oder Teilzahlungen. Verkürzen Sie Zahlungsziele. Und achten Sie auf ein konsequentes Forderungsmanagement.

Profitabilität vor Umsatz

Es ist verlockend, in der Krise jeden Auftrag anzunehmen. Doch Aufträge, die unter den Selbstkosten liegen, beschleunigen die Krise statt sie zu lösen. Stellen Sie sicher, dass Ihr Vertrieb die Deckungsbeiträge kennt und entsprechend kalkuliert. Lieber einen margenschwachen Auftrag ablehnen und die freien Kapazitäten für profitablere Gelegenheiten nutzen.

Häufige Fehler im Krisenvertrieb vermeiden

Die größten Fehler, die Unternehmen im Krisenvertrieb machen, sind schnell benannt: Sie reduzieren das Vertriebsbudget als erstes, anstatt dort gezielt zu investieren. Sie senken pauschal die Preise, statt intelligente Angebote zu entwickeln. Sie konzentrieren sich ausschließlich auf Neukunden, anstatt das Bestandskundenpotenzial zu heben. Sie kommunizieren die Krise nicht transparent und verlieren dadurch Vertrauen. Und sie vernachlässigen die Vertriebssteuerung, weil alle mit dem Krisenmanagement beschäftigt sind.

Vermeiden Sie diese Fehler, indem Sie den Vertrieb als zentrale Säule Ihrer Krisenstrategie betrachten – gleichrangig mit Kostensenkung und Restrukturierung.

Weiterführende Artikel

In der Krise entscheidet der Vertrieb über die Zukunft Ihres Unternehmens. Die KLBX Group begleitet mittelständische Unternehmen als operativer Partner dabei, ihre Vertriebsstrukturen neu auszurichten und auch in schwierigen Phasen nachhaltig Aufträge zu gewinnen – praxisnah, ergebnisorientiert und auf Augenhöhe.

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